Sprachvielfalt für die Bühne dank „Mama Hesselbach“

Im Gedenken an Volksschauspielerin Liesel Christ fördert die Liesel und Gisela Christ-Stiftung sprachbegabte und an Mundart interessierte Studierende der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst

Sprachvielfalt für die Bühne dank „Mama Hesselbach“

Schon mit vier Jahren stand Liesel Christ erstmals mit dem Kinderballett auf der Bühne des Frankfurter Opernhauses. Nur zwei Jahre später spielte „die kleine Christ“, wie sie im Programmheft genannt wurde, in „Peterchens Mondfahrt“ ihre erste Hauptrolle. Der Beginn einer einzigartigen Karriere. Die junge Frau aus dem Frankfurter Nordend durfte bereits mit 14 Jahren und einer Sondergenehmigung ab 1933 an der neu gegründeten Hochschule für Musik und Theater der Stadt Frankfurt am Main studieren. Im Sommer 1936 schloss sie ihr Schauspielstudium erfolgreich ab.

Es folgten Auftritte bei den Römerbergfestspielen in Frankfurt, Engagements in Koblenz, Heilbronn und Görlitz. Nach der kriegsbedingten Schließung aller Theater am 1. September 1944 gelang Liesel Christ zusammen mit ihrer zweijährigen Tochter Gisela im Mai 1945 die Flucht aus Görlitz zurück in ihre Heimatstadt Frankfurt. Acht Monate nach Kriegsende stand die Vollblutschauspielerin wieder auf mehr oder weniger improvisierten Bühnen. So lernte Christ um 1946/47 den Journalisten und Autor Wolf Schmidt kennen, der sie ab 1959 als Mama Hesselbach im Fernsehen bundesweit bekannt machte.

Fernseh-Star mit Herz fürs Theater

Doch Liesel Christs Herz schlug vor allem für das Theater, dem sie auch neben den Dreharbeiten für die „Hesselbachs“ und nach dem Ende der Serie treu blieb. 1971 erfüllte sich die Schauspielerin ihren lange gehegten Wunsch von einem eigenen Theater. Mit dem „alten Bürgercapitän“ von Carl Malss wurde das Volkstheater Liesel Christ am 18. Juni 1971 im Volksbildungsheim eröffnet. Nach seinem Umzug in den Cantatesaal neben dem Goethehaus 1975 und unter der künstlerischen Leitung von Wolfgang Kaus mauserte sich das Frankfurter Volkstheater Liesel Christ bis zu seiner Schließung 2013 zu einer Bühne, auf der neben traditionellen Mundartstücken auch Klassiker und zeitgenössische Stücke zu sehen waren. Zu den Glanzlichtern gehören bis heute Goethes „Urfaust“ und Brechts „Mutter Courage“ mit Liesel Christ in der Hauptrolle.

Stiftung fördert Kunst und Kultur im Bereich Schauspiel und Sprechtheater

Liesel Christ und ihre beiden Töchter waren über Jahrzehnte hinweg ein eingespieltes Team. Bärbel Schöne von Carben wirkte seit 1974 als Kostüm- und Bühnenbildnerin, Gisela seit 1971 als Kaufmännische Direktorin für das Frankfurter Volkstheater Liesel Christ. Gisela Christ-von Carben rief kurz vor ihrem Tod 2015 die Volkstheater Frankfurt – Liesel Christ, Liesel und Gisela Christ-Stiftung ins Leben.


Das Stiftungs- und Nachlassmanagement der Frankfurter Sparkasse unterstützt den Stiftungs-Vorstand, dem die Germanistin und Buchautorin Dr. Sabine Hock vorsteht, bei der Verwaltung der Stiftung. Stiftungsziel ist die Förderung von Kunst und Kultur in den Bereichen des Schauspiels beziehungsweise des Sprechtheaters. Mit ihrer Stiftung wollte Gisela Christ-von Carben angehende Schauspielerinnen und Schauspieler, die oft finanziell schlecht abgesichert sind, unterstützen.

Stipendiat*innen erhalten finanzielle Unterstützung

Schauspielschüler*innen mit einer Affinität zur Frankfurter Mundart, weiteren Dialekten und Sprachen insgesamt können sich um ein Stipendium der Stiftung bewerben. Darüber hinaus können Ausbildungsmaßnahmen, insbesondere an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst (HfMdK) in Frankfurt, gefördert und Preise vergeben werden.

Seit ihrer Gründung konnte die Volkstheater Frankfurt – Liesel Christ, Liesel und Gisela Christ-Stiftung fünf Stipendiaten finanziell fördern und ihnen auch einige Auftrittsmöglichkeiten verschaffen. Darunter ein waschechter Bayer und eine gebürtige Georgierin, die mit ihren vielfältigen sprachlichen Möglichkeiten die Theaterbühne künftig bereichern werden.

Sie möchten ebenfalls angehende Schauspielerinnen und Schauspieler bei ihrer Ausbildung unterstützen? Das geht schon mit einem kleinen Betrag - zum Beispiel, indem Sie für das aktuelle Projekt der Liesel Christ, Liesel und Gisela Christ-Stiftung spenden.

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